Informationen zu

Risk Management für Lieferanten

Arbeitsbereich Risikomanagement, Einkauf Strategie, Unternehmensführung Strategie Allgemein

Kurzbeschreibung

Wir sind auf der Suche nach Check-Listen (bzw. deren Quellen) um eine belastbare Lieferanten-Risikoanalyse durchführen zu können.

Beschreibung der Problemstellung

Wir sind ein Unternehmen mit techn. höchst anspruchsvollen Investitionsgütern aus der Medizintechnik. Unsere Produkte bewegen sich häufig an der Grenze des technisch Machbaren und sind buchstäblich überlebenswichtig.
Aktuell befassen wir uns mit einer Verbesserung unseres Risikomanagements im Bezug auf unsere Lieferanten, da wir eine hohe Zukaufquote haben. Konkret geht es um ca. 50 Lieferanten, die teilweise wiederum mit diversen Unterlieferanten zusammenarbeiten. Hierbei bewegt sich die Einkaufsquote beim Lieferanten von wenigen, unbedeutenden Prozentpunkten, bis hin zu teilweise 70% des jeweiligen Lieferantenumsatzes. Die Produktionsstätten unserer Zulieferer sind über die gesamte Welt verteilt (USA, Asien etc.).

Welche Risikocluster sind für ein lieferantenseitiges Risikomanagement zu berücksichtigen (z.B. Schlüsseltechnologie,Mitarbeiter, Finanzen …) ?
Wo gibt es Quellen, bei denen für innovative Produktionsunternehmen eine detailierte Checkliste, Risikomatrix etc. bezogen werden kann?

  • Antwort vom Experten Buebbes (2/-)

    Die Akademie Fresenius GmbH

    in

    44379 Dortmund

    Tel.: +49 231 75896-0 http://www.akademie-fresenius.de

     kann sicher helfen beim Thema Risk Management. Sie veranstaltet Seminare dazu.

     

    MfG

     

    Herbert Latz-Weber

     

  • Antwort vom Experten Der Administrator (4/-)

    Es sollte zunächst ausgehend von Ihrer Produktpalette und Ihren Zukaufteilen klar definiert werden, welche heutigen Zukaufteile für Sie besonders wichtig sind. Anschließend sollte festgestellt werden, welche und wie viele Lieferanten mit welchem Prozentsatz pro Zukaufteil existieren. Daraufhin kann eine Einzelbeurteilung des jeweiligen Lieferanten erfolgen, um ggf. ein Portfoliobereinigung oder Änderung der Einkaufsstrategie durchzuführen. Ein quantitatives Risikomanagement bedeutet Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung des Eintritts eines Risikos zu bewerten.

    Folgende Clusterungen -ohne Anspruch auf Vollständigkeit- sollten mindestens bei einer Risikobetrachtung einzelner Lieferanten berücksichtigt werden, In Klammern sind beispielhafte Bewertungskriterien pro Risikocluster aufgeführt:

    • Management (Anzahl GF, Geschäftsverteilungsplan, Führungsspanne, QM-Systeme, Zertifizierung durch andere Kunden, Business Continuity Konzept, dok. Strategie etc?)
    • HR/Mitarbeiter (Organigramm inkl. Anzahl MA, Anzahl Weiterbildungstage kritische Positionen, Fluktuation pro Abteilung, Zugang zu neuen Fachkräften)
    • IT (Anbindung an Ihr MRP-System, ERP-System für alle Bereiche inkl. F+E, Backupproceduren auch von Arbeitsplatzrechnern Mitarbeiter, Zugriffssicherheit)
    • Finanzen (Bonität, Liquidität, Verschuldungsgrad, Zinsrisiken, Bilanzkennzahlen, Währungsrisiken/Hedging etc.)
    • Standort (Politische/Gesellschaftliche Unruhen; Geologische Faktoren Flut, Erdbeben; Lagerkapazität, Expansionsmöglichkeit)
    • Historie (Gründungsjahr, Stabilität Gesellschafterkreis + Management)
    • Wettbewerb (Brachenindizes, Peer-Group Vergleiche, Monopol/Oligopol etc.)
    • Wertschöpfungstiefe/Rohstoffe/Produktion (Einkaufsstrategie z.B. single sourcing, Anteil Wertschöpfungstiefe, Anteil Zukauf aus politisch/geologisch unstabilen Ländern, Terminkontrakte zur Rohstoffabsicherung, Preisgleitklauseln, Alter/Abschreibungsstand Anlagen, eigene Transportkapazitäten etc.)
    • Recht/Compliance (schwebende bzw. anhängige Verfahren mit Ergebnisrisiko von X% des Umsatzes; Markenrechte; Steuerprüfung, Einhaltung gesetzlicher Produkt-/Prozessanforderungen)

    Hinsichtlich Quellen mit Checklisten und Risikomatrix kann eine Kontaktaufnahme mit dem Institut der internen Revision, Arbeitskreis Beschaffung sinnvoll sein http://www.diir.de/arbeitskreise/ak05/kontakt/

  • Antwort vom Experten RQM (1/-)

    Pauschal sind Ihre Fragen nicht zu beantworten. Sie schreiben, dass Sie bereits ein Risikomanagement haben und dieses verbessern möchten. Worin liegt der Mangel Ihres Systems? Orientiert sich Ihr Risikomanagemnt an einer Norm? (ISO 31000, ONR4900X)

    Wenn es für Ihr Unternehmen so wichtig ist und Sie sich nicht so gut auskennen, dann sollten Sie einen Fachmann beauftragen. Zumindest für die Überarbeitung Ihres bestehenden Systems und die ersten Zyklen des überarbeiteten Risikomanagementsystems. Es macht keinen Sinn mit irgendwelchen Listen zweifelhafter Herkunft selbst etwas zu basteln.

    Daniel Landgraf

  • Antwort vom Experten HN (1/-)

    So wie ich ihre Anfrage verstehe, haben sie bereits ein Risikomanagement und wollen dieses  verbessern, bzw. ergänzen mit einem speziellen Fokus auf Lieferanten. In den meisten Fällen geht es hierbei um ein „Business Continuity Management“ (BCM) zur Verhinderung von Produktionsausfällen durch verspätete Lieferung oder Komplettausfall eines Lieferanten.

    Bei einer Lieferanten Risikoanalyse sollte immer die gesamte Lieferantenkette betrachtet werden. Das wirkliche Risiko liegt eventuell nicht bei ihren direkten Lieferanten sondern verbirgt sich tiefer in der Lieferantenkette. Falls der Ausfall eines einzelnen Lieferanten einen Produktionsstillstand in ihrer Firma verursacht, sollte die Risikoanalyse immer zusammen mit dem Lieferanten erfolgen. Verlangen sie vom Lieferanten ein BCM!

    Ich kenne in der Literatur keine Quellen die sich speziell mit dem Risikomanagement von Lieferanten im Sinne eines BCM befassen. Deshalb unten eine kleine Aufstellung möglicher Risiken (für eine besser angepasste Risikoaufstellung sind mehr Daten erforderlich):

    1. Zerstörung der Organisationsstruktur des Lieferanten (oder der Lieferantenkette)

  • Umwelteinflüsse (Flut, Erdbeben, Schnee …)
  • Zerstörungen der Gebäude oder Produktionsanlagen (Feuer, Sabotage, Anschläge, Krieg, Diebstahl …)
  • Ausfall der IT (Stromausfall, Sabotage, Viren …)
  • 2. Ausfall der Belegschaft (Epidemien -> SARS)

    3. Ausfall der Transportwege (Streik, Umwelteinflüsse …)

    4. Politik (Ausfuhrverbot …)

    5. Technologie (Nicht stabile Fertigungsprozesse bei Neuanlauf …)

    HN

  • Antwort vom Experten Baltasar (1/-)

    Antwort vom Experten Baltasar:

    Aus Ihrer Anfrage entnehme ich, dass in Ihrem Unternehmen bereits ein Risk-Management besteht, welches aber nicht zu Ihrer Zufriedenheit funktioniert.

    Um hier Verbesserungen zu erarbeiten müssen die Punkte angesprochen werden, die in Ihrem System Überarbeitungswürdig sind oder Mängel aufzeigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alles Mägelbegaftet sein wird.

    Sie geben an, dass Ihre Lieferanten die an sie vergebenen Aufträge teilweise wieder untervergeben. Dabei wäre zu prüfen, ob Sie eine solche Weitervergabe wünschen und dieser zustimmen oder zugestimmt haben. Hierbei sollte auch überlegt werden, ob Sie nicht gleich über den Subunternehmer beziehen können. Viele Vertragspartner erhöhen auf jeden Fall das Ausfallrisiko und sind in Bezug auf Gewährleistungsansprüche sehr schwierig

    Folgend einige Punkte, die auf jeden Fall beachtet werden sollten:

    1. Standort und Lage Ihrer Lieferanten

    2. Produziert Ihre Lieferant selbst oder vertreibt er nur

    3. Welche Zeit vergeht von der Auftragsvergabe bis zur Auslieferung

    4. Welche Aufwendungen betreibt Ihr Liefernat in Bezug auf Qualitätskontrolle und Termineinhaltung, ist der Lieferant zertifiziert, wie sehen die Zwischenaudits aus, welchen Forbildungsaufwand betreibt der Lieferant

    5. Wie sieht es mit der Liquidität Ihres Lieferanten aus

    6. Sind am Standort des Lieferanten Unruhen zu erwarten oder können Ausfälle durch Umwelteinflüsse, Krieg, Demos eintreten  

    7. Sind die Transportwege sicher und zumindest größtenteils unabhängig von Dritten

    8. Wie werden Mängelansprüche und Gewährleistungsforderung ausgeglichen, bzw sind bereits  Unzulänglichkeiten bei den Waren bekannt

    9. Kennen Sie die Verträge der Subunternehmen und stimmen die darin enthaltenen Anforderung mit Ihren Vertragsforderungen überein

    10. Sind die erforderlichen Begleitunterlagen und technischen Beschreibungen ausreichend verständlich und wie sieht die technische Ausführungsbegleitung aus ....

    Die vorstehende Aufzählung ist sicher nicht vollständig und soll nur eine Mindestanforderung darstellen.

    Frei zugängliche Daten über Lieferantenauskünfte sind mir weder bekannt, noch kann ich mir vorstellen, dass es sie gibt. Diese führen die Unternehmen in der Regel eigenständig. Ich kann mir nur vorstellen, dass Ihre zuständige IHK oder auch Verbraucherzentralen hier weiterhelfen können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Baltasar

     

     

     

     

     

  • Antwort vom Experten DH (1/-)

    Quellen sind meinerseits nicht bekannt.

    Die Risiken unterscheiden sich auch von Ihren Bedüfnissen und Anforderungen.

    Ist der Standort beispielsweise in Deutschland, können z.B. geologische Risikofaktoren mehr vernachlässigt, bzw. weniger gewichtet werden.

    Mein Tip wäre erstmal alle wichtigen Forderungen Ihrerseits festzulegen:

    - Termintreue, QS- Standard, TQM, Reaktionszeit, Kulanzverhalten, Preis, Lieferbedingungen, Firmengröße, Bilanz, usw.

    - Danach die Gewichtungen festlegen, ähnlich einer FMEA, was auf KEINEN Fall geschehen darf.

    - Die Matrix auf die Sublieferanten erweitern und hier die Faktoren ebenfalls bewerten.

    Aus den Faktoren können Sie sehr gut abschätzen, wo die größten Risiken verborgen sind.

    Wichtig ist auf alle Fälle ein durchgängiges QM- System, auch beim Sublieferanten. Zertifizierte Unternehmen gewährleisten hier einen gewissen Qualitätsstandard. denn die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

    Zudem wäre eine Qualitätssicherungsvereinbarung mit den Lieferanten sinnvoll, um eventuelle nicht definierte Rahmenbedingungen auszuschließen. Auch hier besteht ein Risiko, wenn nicht alle Rahmenbedingungen vertraglich geregelt sind, z.B. Incoterms ...

    Große Risiken sehe ich bei den Sublieferanten, da Sie nicht abschätzen oder bewerten können, wenn der Lieferant einen Sublieferanten wechselt. Auch solch ein Wechsel sollte vertraglich geregelt sein.

  • Antwort vom Experten Der Administrator (4/-)

    Nachtrag: Laut der Zeitschrift impulse besteht inzwischen auch die Möglichkeit einer Versicherung gegen Lieferausfälle. Dabei handelt es sich nicht um die klassische Betriebsunterbrechung, die auch bislang nicht eine Unterbrechung der Lieferantenkette abgedeckt hat. Vielmehr deckt eine Supply-Chain-Versicherung (z.B. von Zurich) so ziemlich alle Ursachen von Lieferkettenausfälle ab mit Ausnahme von Krieg, Terrorismus, Rückrufe, Qualitätsprobleme, Pandemien und Vorsatz. Themen wie z.B.  Naturkatastrophen, politische Veränderungen oder auch Streik, die ebenfalls ein Grund für Lieferausfälle sein können, scheinen dagegen Bestandteil der Versicherung zu sein.

    Die Versicherung ist nicht billig, (Prämie bei ca. 3-4% der versicherten Ausfallkosten pro Lieferant), außerdem muß die Lieferkette gegenüber dem Versicherer offen gelegt werden. Vielleicht läßt sich auch ein Großlieferant an den Kosten der Versicherung indirekt beteiligen, wenn ihm dafür Absatzsicherheit gewährleistet wird. Fraglich ist die Bezifferung der Lieferantenausfallkosten, da z.B. Faktoren wie Image- und Marktverluste mit eingepreist werden können/müssen. Erfahrungswerte zu diesem neuen Versicherungstyp wird es wohl erst in den kommenden Jahren für den deutschen Markt geben, in England gibt es diese Versicherung schon länger.

    Wie bei jeder Versicherung stellt sich somit die Frage, ob man das Risiko durch die oben beschriebene Lieferantenpolitik bzw. Streuungsmaßnahmen auch so beherrschen kann, oder eine Versicherung abschließt.      

  • Info

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